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Sexualhormone des Mannes

Wenn von männlichen Sexualhormonen die Rede ist, steht meist Testosteron im Mittelpunkt. Für eine gute hormonelle Einordnung reicht ein einzelner Testosteronwert jedoch oft nicht aus. Erst das Zusammenspiel von Gesamt-Testosteron, SHBG, freiem Testosteron sowie LH und FSH zeigt, wie die hormonelle Achse arbeitet. Das ist besonders interessant, weil Sexualhormone beim Mann weit über Libido und Sexualfunktion hinausreichen. Sie stehen auch mit Muskelmasse, Knochenstoffwechsel, Blutbildung, Körperzusammensetzung und allgemeinem Wohlbefinden in Verbindung.
Männliche Sexualhormone

AUF EINEN BLICK

Was sind männliche Sexualhormone?

Das wichtigste männliche Sexualhormon ist Testosteron. Für die hormonelle Einordnung sind außerdem SHBG, freies Testosteron sowie die Steuerhormone LH und FSH relevant.

Warum ist es wichtig?

Sexualhormone beeinflussen unter anderem Libido, Muskelmasse, Knochen, Blutbildung, Körperzusammensetzung und Fruchtbarkeit.

Aussagekraft

Gesamt-Testosteron allein bildet die hormonelle Situation nicht immer vollständig ab. SHBG, freies Testosteron sowie LH und FSH können wichtige zusätzliche Informationen liefern.

Wichtig zu wissen

Testosteron schwankt im Tagesverlauf und kann durch Erkrankungen, Stoffwechsel und Medikamente beeinflusst werden. Ein auffälliger Wert sollte deshalb morgens kontrolliert und im klinischen Zusammenhang beurteilt werden.

Testosteron wird überwiegend in den Hoden gebildet. Gesteuert wird seine Produktion über die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse: Das Gehirn reguliert über die Hypophyse die Ausschüttung von LH und FSH, die wiederum auf die Hoden wirken.

Deshalb können bei der Hormondiagnostik mehrere Werte interessant sein:

  • Gesamt-Testosteron: erfasst gebundenes und ungebundenes Testosteron im Blut.
  • SHBG: ein Transportprotein, das einen großen Teil des Testosterons bindet.
  • Freies Testosteron: der kleine Anteil, der nicht an SHBG oder Albumin gebunden ist.
  • LH: stimuliert in den Hoden die Testosteronproduktion.
  • FSH: spielt vor allem für die Spermienbildung eine wichtige Rolle.
  • Prolaktin: kann bei bestimmten Konstellationen ergänzend relevant sein.
  • Estradiol: entsteht beim Mann unter anderem durch Aromatisierung von Testosteron und gehört ebenfalls zum männlichen Hormonhaushalt.

Bei nachgewiesenem Testosteronmangel helfen insbesondere LH und FSH dabei, zwischen einer primär testikulären und einer zentralen Ursache auf Ebene von Hypophyse oder Hypothalamus zu unterscheiden.

Ein Laborbefund kann auf den ersten Blick unauffällig wirken und trotzdem Fragen offenlassen. Der Grund dafür ist häufig SHBG – das Sexualhormon-bindende Globulin.

Ist viel SHBG vorhanden, wird ein größerer Anteil des Testosterons gebunden. Bei niedrigem SHBG kann dagegen das Gesamt-Testosteron vergleichsweise niedrig erscheinen, obwohl ausreichend freies Testosteron vorhanden ist.

SHBG wird unter anderem durch Alter, Körpergewicht, Stoffwechselsituation, Schilddrüsenfunktion, Lebererkrankungen und verschiedene Medikamente beeinflusst. Gerade bei grenzwertigem Gesamt-Testosteron oder vermuteten Veränderungen des SHBG kann deshalb die zusätzliche Beurteilung des freien Testosterons hilfreich sein.

Testosteron unterliegt einem Tagesrhythmus und erreicht bei vielen Männern morgens die höchsten Konzentrationen. Deshalb erfolgt die diagnostische Bestimmung üblicherweise morgens.

Noch wichtiger: Ein einzelner niedriger Wert reicht nicht aus, um einen Hypogonadismus zu diagnostizieren. Bei entsprechendem klinischem Verdacht sollte ein erniedrigter Wert durch eine erneute morgendliche Messung bestätigt werden.

Auch akute Erkrankungen, starkes Kaloriendefizit, intensive körperliche Belastung und bestimmte Medikamente können Testosteron vorübergehend beeinflussen. Laborwerte und Beschwerden gehören deshalb zusammen betrachtet.

Ein erniedrigter Testosteronwert kann an unterschiedlichen Stellen der hormonellen Achse entstehen. Sind Testosteron niedrig und LH beziehungsweise FSH erhöht, spricht die Konstellation eher für eine eingeschränkte Funktion der Hoden. Sind dagegen Testosteron und LH beziehungsweise FSH niedrig oder unangemessen normal, kann die Ursache eher im Bereich von Hypophyse oder Hypothalamus liegen. Bei niedrigem Testosteron zusammen mit niedrigem oder niedrig-normalem LH kann deshalb beispielsweise die Bestimmung von Prolaktin sinnvoll sein.

Für die Präventionsmedizin ist besonders interessant, dass der männliche Hormonstatus nicht isoliert vom übrigen Stoffwechsel betrachtet werden sollte. Übergewicht und insbesondere metabolische Veränderungen sind häufig mit niedrigeren Testosteronkonzentrationen verbunden.

Auch Schlaf, körperliche Aktivität, Energieverfügbarkeit, Erkrankungen und Medikamente können eine Rolle spielen. Das macht Testosteron zu einem interessanten Marker – aber nicht zu einem einfachen „Vitalitätsscore“. Bei auffälligen Werten lohnt sich häufig der Blick auf die Faktoren, die den Hormonhaushalt mit beeinflussen.

Mit zunehmendem Alter verändern sich Testosteron und SHBG. Gleichzeitig interessiert sich die Präventions- und Longevity-Medizin dafür, wie hormonelle Veränderungen mit Muskelmasse, Körperzusammensetzung, Knochenstabilität und funktioneller Gesundheit zusammenhängen.

Dabei sollte ein altersbedingt niedrigerer Testosteronwert nicht automatisch mit einer behandlungsbedürftigen Erkrankung gleichgesetzt werden. Entscheidend sind die Gesamtsituation, mögliche Beschwerden und wiederholt erhobene Laborwerte.

Interessanter als die Suche nach einem möglichst hohen Testosteronwert ist daher häufig die Frage, warum sich der Hormonstatus verändert hat und wie er zur gesamten Stoffwechsel- und Gesundheitssituation passt.

Eine medizinische Testosteronersatztherapie kann bei einem tatsächlich diagnostizierten Hypogonadismus sinnvoll sein. Sie sollte aber nicht allein aufgrund eines einzelnen niedrigen Laborwertes begonnen werden.

Besonders wichtig ist das Thema Kinderwunsch: Von außen zugeführtes Testosteron kann die körpereigene Gonadotropin-Ausschüttung und damit die Spermienproduktion unterdrücken. Bei bestehendem oder geplantem Kinderwunsch muss dies unbedingt berücksichtigt werden. Vor und während einer Testosterontherapie gehören daher eine strukturierte ärztliche Abklärung und entsprechende Verlaufskontrollen dazu.

Für eine differenzierte hormonelle Beurteilung können – abhängig von der Fragestellung – Gesamt-Testosteron, SHBG und freies beziehungsweise berechnetes freies Testosteron zusammen betrachtet werden. Bei auffälligen Befunden helfen LH und FSH dabei, die hormonelle Regulation einzuordnen.

Je nach Konstellation können Prolaktin, Estradiol und weitere Laborwerte hinzukommen. Entscheidend ist dabei weniger eine möglichst große Laborpalette als eine gezielte Diagnostik passend zur Fragestellung.

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