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Eiweißelektrophorese

Bei der Eiweißelektrophorese denken viele zuerst an Multiples Myelom oder andere Erkrankungen der Plasmazellen. Tatsächlich ist das nur eine ihrer Anwendungen. Die Serumprotein-Elektrophorese zerlegt das Gesamteiweiß des Blutes in verschiedene Fraktionen. Dadurch wird sichtbar, ob beispielsweise Albumin vermindert ist, bestimmte Immunglobuline vermehrt auftreten oder sich ein auffälliges Muster entwickelt hat. Das Spannende ist deshalb weniger eine einzelne Zahl als die Form der gesamten Eiweißverteilung.
Eiweißelektrophorese

AUF EINEN BLICK

Was ist die Eiweißelektrophorese?

Die Eiweißelektrophorese trennt die Proteine des Blutserums in verschiedene Fraktionen, darunter Albumin sowie Alpha-, Beta- und Gamma-Globuline.

Warum ist es wichtig?

Das Verteilungsmuster kann Hinweise auf Entzündungen, Veränderungen der Immunglobuline, Lebererkrankungen oder bestimmte Erkrankungen des blutbildenden Systems geben.

Aussagekraft

Die Untersuchung zeigt Veränderungen der Eiweißverteilung und kann beispielsweise eine auffällige Vermehrung einzelner Immunglobuline sichtbar machen. Für eine genaue Diagnose sind meist weitere Untersuchungen erforderlich.

Wichtig zu wissen

Die Eiweißelektrophorese ist nicht nur zur Suche nach einem Plasmozytom interessant. Zusammen mit Gesamteiweiß, Albumin und gegebenenfalls Immunglobulinen kann sie auch bei der Beurteilung des Eiweiß- und Immunstatus helfen.

Bei vielen Laborparametern erhalten wir eine einzelne Zahl.
Bei der Elektrophorese passiert etwas anderes: Die verschiedenen Proteine werden voneinander getrennt und als charakteristische Kurve mit mehreren Fraktionen dargestellt. Die größte Fraktion bildet normalerweise Albumin.

Daneben finden sich Alpha-1-, Alpha-2-, Beta- und Gamma-Globuline. Hinter diesen Bereichen verbergen sich zahlreiche unterschiedliche Proteine mit ganz verschiedenen Aufgaben. Verändert sich deren Zusammensetzung, verändert sich auch die Form der Kurve. Genau das macht die Elektrophorese diagnostisch interessant.

Albumin wird in der Leber gebildet und stellt den größten Anteil der Serumproteine. Es transportiert zahlreiche Substanzen und trägt wesentlich zum kolloidosmotischen Druck des Blutes bei.

Ein niedriger Albuminwert kann unter anderem bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen, entzündlichen Erkrankungen oder Proteinverlusten über Niere beziehungsweise Darm auftreten. Auch bei ausgeprägter Mangelernährung können niedrige Werte vorkommen. Trotzdem sollte Albumin nicht als einfacher Marker dafür interpretiert werden, ob jemand genügend Eiweiß gegessen hat.

Diese Frage ist gerade in Ernährungs- und Präventionsmedizin interessant. Gesamtprotein und Albumin können Hinweise auf den Proteinstatus liefern – sie messen die tägliche Proteinzufuhr aber nicht direkt. Der Körper reguliert die Proteinkonzentration im Blut relativ stabil. Außerdem werden Albumin und Gesamtprotein durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, darunter Leberfunktion, Entzündung, Flüssigkeitshaushalt sowie Proteinverluste über Niere oder Darm.

Ein Mensch kann deshalb eine für Muskelaufbau oder gesundes Altern eher geringe Proteinzufuhr haben und trotzdem normale Serumproteinwerte aufweisen. Umgekehrt bedeutet ein niedriges Albumin nicht automatisch, dass zu wenig Protein gegessen wird. Für die Beurteilung der Eiweißversorgung gehören deshalb Ernährungsanamnese, Körperzusammensetzung, Muskelmasse und klinische Situation mit zum Bild.

Besonders interessant ist der Gamma-Bereich. Hier finden sich große Teile der Immunglobuline, also unserer Antikörper.

Verändert sich die Aktivität des Immunsystems, kann sich deshalb auch diese Fraktion verändern. Dabei kommt es sehr darauf an, wie sie verändert ist. Eine breit angehobene Gamma-Fraktion sieht diagnostisch anders aus als eine schmale, deutlich abgegrenzte Spitze.

Bei chronischen Entzündungsprozessen, bestimmten Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Lebererkrankungen können viele unterschiedliche Antikörperpopulationen gleichzeitig vermehrt gebildet werden. In der Elektrophorese entsteht dann typischerweise eine breitere polyklonale Erhöhung.

Anders sieht es aus, wenn sich eine einzelne Population von Plasmazellen stark vermehrt und große Mengen eines weitgehend identischen Immunglobulins produziert. Dann kann eine schmal begrenzte monoklonale Bande beziehungsweise ein M-Gradient entstehen. Diese Unterscheidung gehört zu den großen Stärken der Elektrophorese.

Wird ein monoklonales Protein entdeckt, muss geklärt werden, was dahintersteht. Ein mögliches Krankheitsbild ist das Multiple Myelom – früher häufig Plasmozytom genannt.

Es gibt jedoch auch die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Dabei lässt sich ein monoklonales Protein nachweisen, ohne dass die Kriterien einer behandlungsbedürftigen malignen Plasmazellerkrankung erfüllt sind.

MGUS wird mit zunehmendem Lebensalter häufiger. Ein auffälliges Elektrophoresemuster ist deshalb zunächst ein Hinweis für weitere Diagnostik und keine fertige Diagnose.

Eine auffällige Gamma-Fraktion zeigt, dass sich in diesem Bereich etwas verändert hat. Sie sagt aber nicht präzise, welche Immunglobulinklasse dafür verantwortlich ist. Wer IgG, IgA oder IgM genau beurteilen möchte, benötigt quantitative Immunglobulinbestimmungen.

Bei Verdacht auf eine monoklonale Gammopathie können zusätzlich Immunfixation und freie Leichtketten relevant werden. Die Untersuchungen ergänzen sich:

  • Die Elektrophorese zeigt das Muster.
  • Quantitative Immunglobuline zeigen die Mengen einzelner Antikörperklassen.
  • Die Immunfixation kann ein monoklonales Protein genauer charakterisieren.

Auch außerhalb der Gamma-Fraktion stecken diagnostische Informationen. Zu den Alpha- und Beta-Fraktionen gehören verschiedene Transport- und Akutphaseproteine. Bei Entzündungen können sich deshalb charakteristische Verschiebungen entwickeln.

Auch Lebererkrankungen, Proteinverluste und andere Erkrankungen können typische Muster erzeugen. Die Elektrophorese ist damit weniger ein Test auf eine bestimmte Krankheit als eine Art Übersicht über verschiedene Proteingruppen.

Zwei Menschen können dasselbe Gesamteiweiß haben und trotzdem völlig unterschiedliche Proteinprofile. Bei einem kann Albumin hoch und die Globulinfraktion niedriger sein. Beim anderen kann ein vermindertes Albumin durch erhöhte Immunglobuline ausgeglichen werden.

Das Gesamteiweiß sieht dann möglicherweise identisch aus. Die Elektrophorese macht diese Unterschiede sichtbar. Das ist einer ihrer interessantesten diagnostischen Vorteile.

Proteinwerte sind Konzentrationen. Bei Flüssigkeitsmangel können Albumin und Gesamtprotein deshalb höher erscheinen. Bei starker Verdünnung des Blutes können sie niedriger ausfallen. Auch deshalb sollte ein auffälliger Wert nie vollständig losgelöst von der klinischen Situation interpretiert werden.

In der Longevity-Medizin bekommt Protein noch einmal eine andere Bedeutung. Mit zunehmendem Alter wird der Erhalt von Muskelmasse und Muskelkraft wichtiger. Eine ausreichende Proteinzufuhr und Krafttraining spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Serumprotein-Elektrophorese ist allerdings kein Test auf Sarkopenie und kein zuverlässiger Marker dafür, ob die Ernährung genügend Protein für den Muskelerhalt liefert. Für diese Frage sind Ernährungsanamnese, Kraft und funktionelle Leistungsfähigkeit sowie Verfahren zur Beurteilung der Körperzusammensetzung – beispielsweise eine Bioimpedanzanalyse – wesentlich näher an der eigentlichen Fragestellung.

Die Elektrophorese beantwortet eine andere Frage: Wie verteilen sich die Proteine im Blut – und gibt es dabei ein auffälliges Muster?

Sie kann beispielsweise interessant werden bei ungeklärten Veränderungen des Gesamtproteins oder Albumins, auffälligen Immunglobulinen, chronischen Entzündungsmustern oder dem Verdacht auf eine monoklonale Gammopathie. Auch bestimmte Konstellationen wie ungeklärte Anämie, Nierenfunktionsstörungen oder andere klinische Auffälligkeiten können Anlass für die Untersuchung geben.

Als routinemäßiger „Protein-Check“ bei ansonsten gesunden Menschen ist sie dagegen nur begrenzt geeignet. Dafür ist die Untersuchung zu stark auf die Verteilung und Zusammensetzung der Serumproteine ausgerichtet.

HeaXX Take-away

Die Serumprotein-Elektrophorese ist weit mehr als eine Untersuchung auf Multiples Myelom. Sie zeigt, wie sich das Eiweiß im Blut auf Albumin und verschiedene Globulinfraktionen verteilt. Dadurch können unter anderem Veränderungen der Immunglobuline, Entzündungsmuster, Proteinverluste oder eine monoklonale Proteinproduktion sichtbar werden. Für die Beurteilung der Eiweißversorgung liefert sie ebenfalls Informationen – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Normales Albumin und Gesamteiweiß beweisen keine optimale Proteinzufuhr, und niedriges Albumin bedeutet nicht automatisch Proteinmangel. Gerade diese Kombination aus Albumin, Immunglobulinen und Proteinmuster macht die Elektrophorese zu einer Untersuchung, die deutlich mehr erzählt als die Suche nach einem einzelnen auffälligen Wert.

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